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Unschuldig!

„Abschießen!“ heißt es meistens, wenn Nilgänse oder Waschbären sich in Städten breitmachen. Doch Naturschützer kennen auch andere, kreative Lösungen.

In Kassel ist der Waschbär das prominenteste Beispiel. In Frankfurt sind es die Nilgänse im Brentanobad. Andernorts erregen Nutrias die Gemüter, weil sie angeblich Schutzdämme unterhöhlen. Neobiota nennt die Fachwelt diese Arten, die sich in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. Auch Amphibien, Fische oder Pflanzen fallen unter diesen Begriff. Doch über keine Vertreter wird so viel gestritten wie über Waschbär und Nilgans.
„Abschießen“, heißt es von den Jagdverbänden und auch manchen Badegästen, die sich vor dem Gänsekot auf der Liegewiese ekeln. Und die Jäger schimpfen auf die Schonzeit, die Hessen den Waschbären neuerdings gönnt.

Anti-Baby-Pillen gegen unbeliebte Spezies

„Kreativ denken“ forderte dagegen die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin bei einem Fachgespräch der Grünen im Landtag. Die Chancen stünden aktuell gut, mit Anti-Baby-Pillen die weitere Ausweitung der unbeliebten Spezies zu verhindern. „Ich bin mir sicher, dass die Landesregierung dafür Geld gibt.“

Auch Stefan Stübing von der hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) hält nichts davon, den Waschbären mit der Schrotflinte den Garaus zu machen. Die auf dem Boden brütenden Kiebitze könnten mit einem Elektrozaun geschützt werden, Horstbäume mit Manschetten, schlägt er vor. Und für die Aversion gegen Nilgänse gebe es keinen wissenschaftlichen Grund: Von den 10 000 Exemplaren in Hessen habe kein einziges heimische Vögel vertrieben. Einzige Ausnahme seien die Stadtpark-Teiche. Wo der Mensch füttere, da gebe es Streit, und da ziehe die kleinere Ente den Kürzeren.

Thomas Norgall vom Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen fordert eine Versachlichung der Diskussion. „Die Debatte lenkt ab von der fehlgesteuerten Landnutzung.“ Er plädiert dafür, die Entwicklung genau zu beobachten und nur einzugreifen, wenn Folgen für Gesundheit oder Sicherheit belegt sind. Viele Behauptungen nährten sich aus der Gerüchteküche. „Es ist nie bewiesen worden, dass eine hessische Gelbbauchunke von einem Waschbären gefressen wurde.“

Das einst von Hessen am Edersee ausgesetzte Pelztier hat sich inzwischen in Mitteleuropa ausgebreitet. Zahlen gibt es keine und auch keinen Beweis dafür, dass sich der Bestand durch Bejagung nachhaltig dezimieren lässt.  fand Berit Michler von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde heraus. Sie warnt vor einem Schnellschuss: „Bislang sind alle Strategien daran gescheiterte, dass es zu wenig Wissen über ihre Biologie gibt.“

Quelle: http://www.fr.de/rhein-main/naturschutz-die-anti-baby-pille-fuer-nutria-und-nilgans-a-1381520

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4 comments

  1. Die Waschbären gab es im Odenwald schon vor über 40 Jahren. Niemand hat sich daran gestört und sie haben sich auch nicht übermäßig vermehrt.
    Erst seit die Jagd wieder übermäßig betrieben wurde und wird, wachsen die Populationen, aber auch die anderer Tierarten.
    Warum: Ihnen wird ein größeres Futterangebot serviert und Arten reagieren auf Bedrohung erfahrungsgemäß mit deutlicher Vermehrung.
    Gleichzeitig werden sie durch den übermäßigen Jagddruck aus ihrem Lebensraum in der Natur vertrieben und flüchten in die Städte und haben da natürlich auch Hunger.
    Niemand regt sich über die Kartoffel auf, die auch eingeschleppt wurde. Und die unglaublich viele Äcker füllt.
    (Nur um zu zeigen wie dämlich dieses Argument ist!)
    Auch Wildtiere sind lebende, fühlende Wesen. Deshalb bitte ich um einen sanfteren Umgang. Die Anti-Baby-Pille ist o.k., wenn es wirklich zu viele werden. Angela

  2. Ich hab gerade gelesen, dass Samstag hier im Wald eine Treibjagd stattfindet. Auf „Wildsauen“, Füchse und Waschbären! Könnte kotzen … hier in Hessen geht man nicht gerade zimperlich mit den Bärchen um. Und wir haben erst im Sommer entdeckt, dass es hier überhaupt welche gibt!

  3. Das Leben mit den Waschbären und das WIE sollte im Vordergrund bei allen Menschen und vor allem bei unseren Gesetzgebern, stehen. Das Geld für sinnloses Jagen und Töten oder fangen und umbringen + entsorgen, sollte für Sterilisation eingesetzt werden – wie bei den Katzen.
    Waschbären sind wunderschöne und vor allem sehr soziale Tiere und nur weil Sie nicht PANDA o.a. heißen dürfen Sie nicht Ihre 10 Jahre frei leben.
    Die Supermärkte sind voll – vor allem die Tiefkühltruhen mit totem Fleisch – wo geht das hin wenn das Verfallsdatum abgelaufen ist? Hier könnten die Naturschützer aktiv werden und diese Unmengen an sinnlos entsorgten Lebensmitteln an die Waschbären u.a. Tiere – Wölfe – verfüttert werden. Das wäre ein sinnvoller Kreislauf in unserer Wegwerfgesellschaft.
    Die Logistik wäre sehr einfach und könnte Deutschlandweit praktiziert werden.
    Es fehlen viel mehr Wildtierstationen, wo Wildtieren wie Waschbären geholfen wird (Sterilisation und Fütterung)
    Dieses sinnlose und brutale Töten von Waschbären muß sofort beendet werden.
    Ich habe schon mit sehr vielen Menschen gesprochen, die das ganz genau so sehen.
    Also wir brauchen jede Stimme für die 1000 Euro für Waschbären in Not.
    Schaut Euch die Bilder von den Waschbären an und in Ihre wunderschönen Augen. Wir müssen endlich was tun! Jetzt!

    • Hallo Monika (und allen Tierfreunden), das hast du so wunderbar geschreiben, dass ich tief berührt bin. Und ja, ich weiss was du meinst, kenne diese wunderbaren warmherzigen und lustigen Äuglein der Bärchen und sie bringen mich täglich zum schunzeln… und deine Gedanken sind wirklich sehr wertvoll mit dem Kastrieren und verfüttern von überlagertem Fleisch und evt. Auch anderem wie Obst. Hab mir auch schon viele Gedanken gemacht und hab schon einige Einfälle gehabt. Wir füttern hin und wieder auch wilde Tiere wie Fuchs, damit er unsere Hühner und Enten in Ruhe lässt. Und es funktioniert sehr gut. Selbst unsere freilaufenden Kaninchen leben schon seit gut 6 Monaten in völliger Freiheit. Waschbären gibt’s auch aber man sieht sie nicht. Bäume mit Nistkästen wurden voriges Jahr Opfer von Waschbären, aber die Bäume schützen wir jetzt mit einfachen Plastikwellplatten von ca. 1m in der Breite in ca 1,5 bis 2m Höhe.da kommt auch keine Katze und so mehr hoch. Und wir füttern mit Nüssen, Rosinen und Katzentrockenfutter und alle sind zufrieden, es gibt keine Probleme. Die Katzen stören sich auch nicht, wenn die Waschbären im Schuppen das Futter fressen. Hatten alles per Wildkamera gefilmt(, aber wurde wieder gelöscht.) Sehr friedlich alles. Kein Gefauche oder so.
      Den Wölfen sollte man auch hin und wieder Futter hin tun, da lassen sie die Schafe sicher in Ruhe.. siehe den Film „Wolfsbrüder“ welche auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein alter Mann legt hin und wieder dem Leitwolf ein totes Kaninchen hin und so hat er keine Verluste bei seinen Schafen, obwohl er mitten in den Bergen lebt und er keinen Hund hat.. super rührender Film. Für jeden (Wild-)Tierliebhaber ein Muss.
      Mit dem herzlichsten Dank und mögen diese wertvollen Gedanken an die richtigen Stellen geraten und dort einiges nützliches für die Tiere und Zufriedenheit aller beitragen. Das wäre mein innigster Wunsch und sicher vieler anderen auch, damit endlich alle in Frieden zusammenleben können und sich gegenseitig achten und respektieren…
      Alles Liebe und die herzlichsten Grüsse sendet euch allen da draussen Claudia.

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