Home / News / Der Waschbär in Elbingerode – ein trauriges, untragbares Schicksal

Der Waschbär in Elbingerode – ein trauriges, untragbares Schicksal

Am Sonntag, den 25.Juni 2017 gegen 14.00 Uhr fanden Tierfreunde, auf der Straße am Ortsausgang Elbingerode nach Königshütte – auf Höhe der Gärten – einen Waschbären am Straßenrand. Er lebte noch, war aber sehr erschöpft. Trotz intensiver Pflege musste er eingeschläfert werden. Eine spätere Untersuchung ergab eine gleiche Fraktur in beiden Sprunggelenken und am Kopf des Tieres. Die Verletzungen und der Fundort in der Nähe der Gartenanlage, legt die Vermutung nahe, dass das Tier mit einem Tellereisen gefangen und da in diesem Zustand angriffslustig – mit einem gezieltem Schlag auf den Kopf außer Gefecht gesetzt wurde. Der Einfachheit halber war sein letzter Ruheplatz dann der Straßenrand – das ersparte auch noch das Vergraben des Kadavers….

Nach dem Kormoran (er ist allerdings ein einheimischer Beutegreifer) als Sündenbock für die dezimierten Fischbestände, ist nun der Waschbär für so alles was kreucht und fleucht – an der Reihe.  Nilgans, Ochsenfrosch, Rotwangenschmuckschildkröte, Asiatische Tiegermücke u.v.a., stehen bereits bereit, seine Nachfolge an zu treten. Für jede dieser explosionsartigen Vermehrungen gibt es „dutzende“ von Ursachen, nie ist es eine allein und noch nie in der Geschichte der letzten Jahrhunderte ist es gelungen so eine invasive Art wieder aus zu rotten. Aber immer gibt es eine einzige Ursache dafür – Gevatter Mensch.

Bleiben wir aber beim Beispiel Waschbär:

Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts kam der Waschbär nur in Amerika zwischen dem südlichen Kanada und Panama vor. Heute besiedelt er dazu weite Teile Europas und Asiens. Er ist dabei nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – vor dem weißen Mann über den großen Teich schwimmend geflüchtet, um das Schicksal der Indianer nicht teilen zu müssen. Nein, er wurde ganz einfach in Form von wenigen Pärchen um das Jahr 1927 herum in Hessen ausgesetzt. Das erklärte Ziel damals war eindeutig – den Waschbären in unserer Heimat heimisch und mit seinem Fell Geld zu machen !!! Das ist den Hessenern so gut gelungen, das Kassel nun mehr die deutsche Waschbärenhauptstadt ist. Noch „erfolgreicher“ verliefen gezielte Aussetzaktionen zwischen 1936 und 1962 in der damaligen Sowjetunion.

Nun hat sich der Waschbär für die menschliche Einladung mehr als bedankt und so ziemlich jeden Lebensraum besiedelt, der ihm sein Überleben sichert. Und wieder ist das Geschrei allenthalben groß – es fehlen Rebhühner, Fasane, Hasen, sogar Haubentaucher, Haushühner usw. Einige wissenschaftliche Langzeitstudien europaweit, haben nur das bestätigt, was sein Gebiß aussagt – er ist ein Allesfresser, welcher zur Hälfte pflanzliche Kost aufnimmt. Ähnlich seinen größeren Namensvettern – Beeren, Obst, Eicheln, Getreide, Gräser usw. seine Hauptnahrung sind Regenwürmer, Schnecken (für Wasserschnecken verkauft er sein Vaterland) und Insekten – besonders deren larvale Stadien.

Gleichwohl steht er im wahrsten Sinne des Wortes auf der Abschußliste – selbst wenn er Junge führt!

Wer glaubt mit dieser Art von Tierquälerei Tierbestände zu dezimieren, glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Die zu dezimierenden Tiere erhöhen als Tötungsergebnis ganz einfach ihre Reproduktion – und so ist die Tierquälerei eine unendliche Geschichte. Das soll sie aber vielleicht auch sein.

Wenn schon Tierpopulationen dezimiert werden müssen, geht das schmerzlos und effizient nur mit Kastrationskampagnen. Dass dieses funktioniert, beweisen die vielen Kastrationen von freilaufenden Hauskatzen. Diese kosten aber auch Geld und müssen danach beobachtet und bei Neuzugängen fortgeführt werden. Die Tierschutzvereine würden sicher derartige sinnvolle Aktionen gern unterstützen – aber das sehen viele Kommunen leider nicht so.

Es gibt ein Buch von Prof. Niethammer (1963): „Die Einbürgerung von Säugetieren und  Vögeln in Europa“. Was in den letzten tausend Jahren alles versucht wurde, um hier Tiere an zu siedeln oder vor allem das Wildbret dadurch verbessern zu können, ist unglaublich.

Früher hat man mit allen Mitteln versucht, Tiere von denen man sich einen Nutzen versprach, anzusiedeln. Heute haben diese hier nichts mehr zu suchen. Ausgenommen sind augenscheinlich Damhirsch, Mufflon und Sika – warum eigentlich?

Wenn man die Entwicklung von Mensch, Wald und Flur sehenden Auges verfolgt – kann man nur zu dem Schluss kommen – dass unsere Nachfahren froh darüber sein werden, alle jetzt existierenden Tierbestände überhaupt noch antreffen zu können.

Es ist an der Zeit sich mit dem Waschbär zu arrangieren. Das wird nicht einfach – aber es ist möglich. Wie – zeige ich Ihnen gern in der nächsten Veröffentlichung.

 

Harald Lyhs

Vorsitzender

FV Gnadenhof Sargstedt e.V.

Check Also

Anti – Pelz Demo in Hamburg – Tragt kein Echtpelz!

Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. ruft zu einer großen Anti-Pelz-Demonstration gemeinsam mit uns, Schutz …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.