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Status Quo Februar 2017 für Waschbären – Zusammenfassung

Zusammenfassung der Situation der Waschbären bei der aktuellen Umsetzung der EU-Verordnung 1143/2014 über invasive gebietsfremde Arten

Die EU-Verordnung  1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten  ist am 01.01.2015 in Kraft getreten und die Durchführungsverordnung für eine Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung („Unionsliste“) am 03.08.2016.

Nun ist für den Waschbär trotz fehlenden fachlichen Nachweises seine Auswirkungen auf die Biodiversität in der EU und trotz großer Verbreitung in Deutschland Management-maßnahmen nach Art.19 VO vorgesehen.

Obwohl tatsächlich dieser Art. 19 VO auch letale Maßnahmen für invasive Tierarten wie den Waschbären vorsieht, hat die EU-Kommission mehrfach betont dass „die Mitgliedstaaten nicht zur Beseitigung von invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung, die in ihrem Land bereits weit verbreitet sind, verpflichtet sind.“ ‑‑‑„Daher besteht keine  Verpflichtung zur Beseitigung der Waschbären für Deutschland.“ ——Und „laut Verordnung besteht keine Verpflichtung dazu, Tiere zu töten.“ — Weiterhin hat die EU-Kommission auch vorgeschlagen „Anwendung nicht letaler Methoden für die Kontrolle der (vermeintlich) invasiven Tierarten.

Nachdem das hessische Umweltministerium gerade an 21.02.2017 in einem Schreiben darauf hingewiesen hat, dass jeder einzelne, der Natur dauerhaft entnommene Waschbär, den übergeordneten Zielen des Managements nach Art. 19 dient und wissend, dass der gesamte Platz für Wildtiere in Tierauffangstationen absolut unzureichend ist, würde  eine Privathaltung unter Verschluss und unter Verhinderung der Fortpflanzung wohl die Ziele des Tierschutzes mit denen der EU-Verordnung in Übereinstimmung bringen.

Nun gerade passend dazu ist am 20.02.2016 die Antwort der EU-Kommission auf eine parlamentarische Anfrage über den Waschbären und die Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten vom EU-Parlamentsabgeordneten Stefan Eck erschienen.

 „….Dies gilt auch für nichtgewerbliche Halter wie Auffangstationen, Zoos oder Privatpersonen.

Verwaiste und/oder verletzte Tiere können von solchen Einrichtungen aufgenommen werden, sofern die zuständigen Behörden dies für eine angemessene Managementmaßnahme halten, die Tiere unter Verschluss gehalten werden und alle geeigneten Maßnahmen getroffen sind, um deren Fortpflanzung oder Entweichen zu verhindern.

Dieses bedeutet, dass die EU-Kommission befürwortet, dass eine Unterbringung von verwaisten oder verletzten Waschbären in Auffangstationen und in Privathand erfolgt, wenn diese Maßnahme von den deutschen Behörden akzeptiert wird.

Für die Umsetzung dieser EU-Verordnung muss nun sowohl das Bundesnaturschutzgesetz als auch das Bundesjagdgesetz und weitere nationale Gesetze geändert/angepasst werden.

Da dieser Vorgang noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird, hat das Ad hoc Komitee „Invasive Arten“ des LANA-Gremiums (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz) eine vorläufige Regelung für die Umsetzung vorgeschlagen, die inzwischen formal zwischen den Bundesländern abgestimmt worden ist.

Diese “Übergangslösung“ sieht die Möglichkeit der ausbruchssicheren Unterbringung von neu aufgenommenen Waschbären in Auffangstationen oder auch in Privathand + Kastration vor, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen. Sie gilt für die Übergangszeit bis zur Inkraftsetzung der Managementmaßnahmen – und Maßnahmenblätter.

Im Rahmen der Managementmaßnahmen nach Art. 19 Abs. 2 der EU-Verordnung  1143/2014 für die Waschbären, die schon vor dem 3.8.2016 in Haltung waren, wird eine Aufnahme durch Tierauffangstationen, Zoos und Tierheime sowie eine nicht-kommerzielle Weitergabe an private Halter oder zwischen privaten Haltern zugelassen, sofern diese eine Haltung der Tiere unter Verschluss sicherstellen und eine Fortpflanzung ausgeschlossen ist.

Auch für freilebende verwaiste/hilfsbedürftige oder verletzte Waschbären kann deren Aufnahme durch Tierauffangstationen/-heime sowie eine nicht-kommerzielle Weitergabe an private Halter oder zwischen privaten Haltern geduldet werden, sofern eine Haltung  unter Verschluss sichergestellt ist und eine Fortpflanzung der Tiere verhindert wird.

Allerdings, gib es für diese Tiere eine Einschränkung, weil der Waschbär in fast allen Bundesländern eine jagdbare Tierart ist und dem jeweiligen Landesjagdrecht unterliegt. Deswegen, da das Entnehmen freilebender Exemplare gegen das Aneignungsrecht des Jagdausübungs-berechtigten verstoßen würde, ist die Zustimmung des für das Gebiet zuständigen Jagdausübungsberechtigten und die Berücksichtigung des Jagdrechts immer vorausgesetzt.

Mittlerweile haben sich dieser Übergangslösung, die auch vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unterstützt wird, neben Sachsen auch die Bundesländer Bremen, Thüringen, Schleswig-Holstein und Hessen offiziell angeschlossen.

Francesco Dati – Marburg, den 25. Februar 2017

 

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